Stillen ohne Verunsicherung: Diese Fragen gehören beim Kinderarzt auf den Tisch
14. November 2025 2026-03-06 11:49Stillen ohne Verunsicherung: Diese Fragen gehören beim Kinderarzt auf den Tisch
Stillen ohne Verunsicherung: Diese Fragen gehören beim Kinderarzt auf den Tisch
Wenn du zum ersten Mal Mama wirst, willst du vor allem eins: Sicherheit. Und dann sitzt du beim Kinderarzt, stellst eine harmlose Frage zum Stillen und gehst mit einem Knoten im Bauch wieder raus, weil du plötzlich an dir zweifelst.
Das ist leider nicht selten. In vielen Praxen kursieren noch veraltete Empfehlungen. Nicht aus Bosheit, sondern weil Stillen im Medizinstudium oft viel zu kurz kommt. Und genau deshalb ist es so sinnvoll, schon in der Schwangerschaft bewusst zu wählen, wer euch als Familie begleitet.
Hier bekommst du 5 Fragen, die du einem zukünftigen Kinderarzt stellen kannst. Und du bekommst die Antworten dazu, die wirklich dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Damit du nicht verunsichert wirst, sondern gestärkt rausgehst.
Inhalt:
- Warum ein stillfreundlicher Kinderarzt so viel ausmacht
- Frage 1: Arbeiten Sie mit einer Stillberaterin oder IBCLC zusammen?
- Frage 2: Wann muss ein Kind sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben?
- Frage 3: Welche Wachstumskurve verwenden Sie?
- Frage 4: Wann empfehlen Sie die Einführung von Beikost?
- Frage 5: In welchem Alter empfehlen Sie abzustillen?
Warum ein stillfreundlicher Kinderarzt so viel ausmacht
Stillen ist natürlich. Und trotzdem wird es Müttern oft unnötig schwer gemacht. Ein guter Kinderarzt erkennt das und verhält sich entsprechend.
Ein stillfreundlicher Kinderarzt:
respektiert eure Stillbeziehung
orientiert sich an aktuellen Empfehlungen
arbeitet im Idealfall mit qualifizierter Stillberatung zusammen
stärkt dein Vertrauen, statt Druck zu machen
Und jetzt kommt der praktische Teil. Nimm diese Fragen gern als kleine Checkliste mit.
Frage 1: Arbeiten Sie mit einer Stillberaterin oder IBCLC zusammen?
Warum diese Frage so wichtig ist:
Stillprobleme sind häufig. Aber die meisten Kinderärzte sind keine Still Spezialistinnen. Das ist nicht schlimm, solange sie das wissen und gut weiterverweisen.
Woran du einen guten Umgang erkennst:
Es gibt eine klare Weiterleitung an eine qualifizierte Stillberaterin oder IBCLC.
Stillprobleme werden ernst genommen und nicht mit “Dann geben Sie halt ein Fläschchen” abgekürzt.
Es wird nicht dramatisiert, aber auch nicht bagatellisiert.
Eine starke Antwort klingt zum Beispiel so:
“Ja, wir arbeiten mit einer IBCLC zusammen oder wir empfehlen bei Stillproblemen gezielt an Stillberatung weiter.”
Frage 2: Wann muss ein Kind sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben?
Viele Mütter werden bei dieser Frage unnötig in Panik versetzt. Dabei ist es normal, dass Babys nach der Geburt erst einmal abnehmen.
Warnsignal:
Wenn schnell Druck aufgebaut wird oder Zufüttern als Standardlösung kommt, ohne dass das Stillen professionell angeschaut wurde.
Korrekte Orientierung:
Eine Gewichtsabnahme von bis zu 10 % nach der Geburt ist völlig normal.
Dein Kind hat auf jeden Fall erst einmal 14 Tage Zeit, um wieder zum Geburtsgewicht zurückzukehren.
Wichtig ist das Gesamtbild: Trinkverhalten, Ausscheidungen, Allgemeinzustand, Stillmanagement.
- Bei Unsicherheiten: frühe Überweisung an eine Stillberaterin statt vorschneller Zufütter-Empfehlungen
Was du hören willst:
“Wir schauen nicht nur auf eine Zahl. Und wenn wir Unterstützung brauchen, holen wir Stillberatung dazu, statt vorschnell zuzufüttern.
Denn ein guter Kinderarzt beobachtet, begleitet und macht dir keine Angst.
Frage 3: Welche Wachstumskurve verwenden Sie?
Diese Frage ist ein echter Gamechanger, weil sie zeigt, ob jemand Stillkinder wirklich richtig einschätzen kann.
Diese Frage ist wichtiger als viele denken.
Denn: Die Wachstumskurven im deutschen U-Heft basieren vor allem auf formulamilchgefütterten Babys.
Korrekte Antwort:
“Wir nutzen ausschließlich WHO-Kurven.“
Darauf solltest du achten:
Verwendet der Kinderarzt die WHO-Wachstumskurven?
Erkennt er an, dass Stillkinder anders wachsen?
Die WHO-Kurven sind der Goldstandard für die weltweite Beurteilung von Wachstum und sollten immer verwendet werden.
4. Wann empfehlen Sie die Einführung von Beikost?
Beikost ist ein Thema, bei dem in der Praxis noch sehr viel alte Schule unterwegs ist. Und das kann Mütter enorm verunsichern.
Die WHO empfiehlt:
6 Monate ausschließliches Stillen
danach Beikosteinführung, sobald alle Beikostreifezeichen erfüllt sind
Muttermilch bleibt im ganzen ersten Jahr die Hauptnahrungsquelle
Falls ein Arzt bereits ab dem 4. Monat drängt oder ohne Reifezeichen auskommen will, ist das ein Warnsignal.
5. In welchem Alter empfehlen Sie abzustillen?
Ein kompetenter Kinderarzt macht keine Vorgaben zu einem bestimmten Alter.
Wichtig zu wissen:
Das natürliche Abstillalter liegt zwischen 2,5 und 7 Jahren.
Ein Kind stillt sich nicht vor dem 2. Geburtstag selbst ab.
Frühzeitiges Abstillen passiert fast immer durch äußere Einflüsse.
Die WHO-Empfehlung lautet:
Stillen bis mindestens 2 Jahre und darüber hinaus so lange, wie Mutter und Kind es möchten.
Was du aus diesen Antworten mitnehmen kannst
Ein Kinderarzt, der nach aktuellen Leitlinien arbeitet, erkennt:
Stillen ist mehr als Ernährung, es ist Bindung, Regulation und Sicherheit.
Mütter brauchen Unterstützung, keine Verunsicherung.
Wachstum und Entwicklung folgen individuellen Verläufen.
Wenn du dich in der Praxis sicher und respektiert fühlst, stärkt das deine Stillbeziehung nachhaltig.
Autorin
Nina Abel
Gründerin von elternkurse-onine.de
IBCLC Still- und Laktationsberaterin, Zungenbandspezialistin, Doula, Fachkraft für Säuglings- und Kindererenährung, Gründerin und Dozentin beim Deutschen Kompetenzzentrum für Stillen und Laktation
Als Fachkraft begleite ich Eltern durch Schwangerschaft, Geburt und Kleinkindzeit und bin selbst Mama von zwei Kindern.
Kinder und der liebevolle, respektvolle Umgang mit Kindern und ihren Bedürfnissen sind meine absoluten Herzensangelegenheiten.
Mein Onlineangebot soll dir dabei helfen, mehr Verständnis für natürliche Vorgänge und die Bedürfnisse deiner Kinder zu erlangen und dich bestärken, deinen eigenen individuellen Weg voller Liebe, Vertrauen und Gleichwürdigkeit mit deinen Kindern zu gehen.
Dieser Blog ergänzt unsere Onlinekurse und Onlineberatung.


